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Autonomes Fahren als Weg in die Zukunft der Logistik?

Kann die Technik den Fachkräftemangel ausgleichen?

Euphorie und Skepsis: Wie fast jede größere Innovation bewegt sich auch das autonome Fahren zwischen diesen beiden Polen. Befürworter und Gegner können dabei jeweils fundierte Gründe für ihre Positionen nennen. Zu einer sachlichen Debatte gehört auch der Fakt, dass die Logistik zur wichtigsten Nutzanwendung von autonomem Fahren werden dürfte. Insbesondere weil dort ein Schlüssel zur Refinanzierung der enorm teuren Forschung liegt.

Autonomes Fahren gilt als die Zukunft des Straßentransports. Lkw, die größtenteils selbständig fahren und vom System gesteuert werden, sind ein Entwicklungsziel, das bei vielen Unternehmen aus der Logistik Anklang findet. Zu eindeutig wirken die Vorteile der Technologie.

Denn autonome Lkw können:

  • den Fachkräftemangel ausgleichen
  • rund um die Uhr fahren
  • günstiger eingesetzt werden.

Aber diesen Vorteilen stehen offene Fragen gegenüber, die bis zu einem flächendeckenden Einsatz der Technik im Straßenverkehr geklärt werden müssen. Dazu gehören Haftungsfragen ebenso wie die Sicherheit der Systeme und die Technologie der Vernetzung. Zu den Herausforderungen gehört es auch, dass sich autonom fahrende Nutzfahrzeuge erst das Vertrauen der Deutschen erwerben müssen. Denn diverse Studien zeigen, dass noch zu weiten Teilen Skepsis gegenüber der Automatisierung besteht. Rund zwei Drittel äußern Vorbehalte.

Definition

Was ist autonomes Fahren?

Um Vor- und Nachteile einer neuen Mobilität betrachten zu können, ist es wichtig, zunächst einmal die Rahmenbedingungen zu klären: Wie weit ist die Automatisierung der Fahrzeuge vorangeschritten? Und wie selbständig können sie sich im Verkehr bewegen? Sind sie bereits für den Einsatz auf öffentlichen Straßen geeignet? Um diese Diskussion zu versachlichen, hat sich eine Einteilung der Entwicklung in verschiedene Teilbereiche etabliert, nach der Autos und Lkw eingeteilt werden. Dabei gelten folgende Stufen:

(0) Der Fahrer fährt selbst

(1) Es gibt eine Fahrassistenz

(2) Teil-Automation (beim Einparken, Spur halten oder Abbremsen)

(3) Bedingte Automatisierung (beim Ausführen des Blinkers und Spurwechsel)

(4) Hohe Automatisierung (die Führung des Fahrzeugs wird in weiten Teilen vom System übernommen)

(5) Vollautomatisierung (ein System oder ein Programm steuert das Fahrzeug eigenständig)

Die Kategorisierung in diese Bereiche zeigt zum einen, dass die Forschung am autonomen Lkw neben dem Fernziel vollständiger Selbständigkeit auch eine Reihe wertvoller Assistenzsysteme hervorgebracht hat wie Notbremsassistent, Abstandstempomat mit Stop-and-Go-Funktion, Stauassistent, Spurverlassenswarner und Spurrückführungsassistent. Sie offenbart aber auch, dass wichtige Rechtsfragen vor dem Einsatz vollautomatisierter Lkw im Straßenverkehr noch beantwortet werden müssen. Denn nach bisherigen Rechtsmaßstäben wird bei Verkehrsunfällen zur Klärung der Haftungsfrage der Verantwortliche bestimmt. Inwieweit sich dies auch für system- oder programmgesteuerte Fahrzeuge umsetzen lässt und wem die Verantwortung für eine technologische Entwicklung zugeschrieben wird, ist dabei noch nicht abzusehen. Ganz zu schweigen von ethischen Fragen, die bei der Programmierung der Systeme auftreten können: Wen schützen die Systeme bevorzugt, wenn es unvermeidlich zu einem Unfall mit Personenschaden kommen wird – Kinder oder alte Menschen? Und wie priorisieren sie, wenn ihre Fahrmanöver von leichten Verletzungen bis hin zum sicheren Tod unterschiedlich schwere Auswirkungen haben können?

Nutzen

Welche Vorteile sind für die Logistik mit autonomem Fahren verbunden?

Wer sich die großen Sicherheitsfragen rund um fahrerlose Lkw stellt, bemerkt abseits der Grenzfälle schnell, dass sie über das Potenzial verfügen, die Sicherheit im Straßenverkehr zu erhöhen. Denn der Gedanke an eine Zukunft mit autonomen Fahrzeugen bedeutet gleichzeitig, dass die Auswirkungen menschlicher Schwächen auf den Verkehr zurückgehen werden: Fehleinschätzungen, falsche Wahrnehmung, Emotionen oder schlechte Tagesform und Übermüdung. Einmal zur Einsatzreife entwickelt, wird die Technik immer eine gleichbleibend hohe Leistung zeigen. Eine Eigenschaft, die autonomes Fahren insbesondere für die Logistik enorm interessant macht. Denn für den Straßengüterverkehr bietet sie enormes Effizienzpotenzial. Die heutigen Rahmenbedingungen erlauben es insbesondere im Fernverkehr nur, die Fahrzeuge zu rund einem Drittel der Tageszeit einzusetzen. Schließlich ist in der Regel ein Fahrer allein unterwegs, der sich an die geltenden Lenk- und Ruhezeiten halten muss. Autonome Fahrzeuge verfügen dagegen über das Potenzial, rund um die Uhr auf der Straße zu bleiben und Transporte auch zu verkehrsarmen Zeiten durchzuführen. Damit erhalten sie die Möglichkeit zu einer deutlichen Optimierung ihrer Prozesse entlang der Wertschöpfungskette durch den drastisch verlängerten Einsatz der Fahrzeuge. Logistikdienstleister profitieren zudem enorm von vollständig vernetzten Lkw, deren Einsatz sie leichter steuern können, weil sie von ihnen umfassende Informationen erhalten.

Veränderungen

Wie wirkt sich autonomes Fahren auf den Beruf von Lkw-Fahrern aus?

Ein wichtiger Grund dafür, intensiv an autonomen Fahrzeugen zu arbeiten, ist der zunehmende Fachkräftemangel. Denn in Deutschland und Europa werden die Lkw-Fahrer knapp. Ihre Arbeitsbedingungen mit hohem Zeitdruck bei gleichzeitig immer dichterem Straßenverkehr sind mehr und mehr zu einer Belastung für das Berufsbild als Ganzes geworden. Deshalb erlernen deutlich weniger junge Leute den Beruf des Lkw-Fahrers als ältere Kollegen jährlich in den Ruhestand gehen. In Nordamerika hat sich der Fahrermangel bereits zum Wachstumsverhinderer für die gesamte Wirtschaft entwickelt. Dennoch kann dieses Defizit bestenfalls langfristig durch autonome Lkw ausgeglichen werden. Noch ist nicht geklärt, ob oder bis wann autonome Lkw die Komplexität des Verkehrs in dicht besiedelten Ballungsräumen bewältigen können. Hinzu kommt, dass die Technologie mit einem hohen Startinvest für die einsetzenden Unternehmen verbunden sein wird – der sich laut Schätzungen durch rund 40 Prozent geringere Betriebskosten wieder ausgleichen wird. Bis zum Jahr 2030 könnten laut Prognosen bis zu zehn Prozent der Straßentransporte von autonomen Lkw durchgeführt werden. Auf dem Weg zu diesem mittelfristigen Szenario dürften sich Veränderungen ergeben, die auch das Berufsbild des Lkw-Fahrers verschieben. Denn erfolgreiche Tests belegen, dass der Einsatz vollständig autonomer Lkw in dünn besiedelten Gebieten und auf Autobahnen zuerst gelingen dürfte. Damit entsteht beispielsweise die Möglichkeit, Fernverkehre oder die Hauptläufe in Systemverkehren von Lager zu Lager mit den automatisierten Fahrzeugen zu absolvieren. Der Schwerpunkt für menschliche Fahrer würde sich damit auf den Nahverkehr in Innenstädten und Ballungsräumen verlagern. Je nach Autonomie-Level künftiger Lkw könnten sie aber auch zu Onboard-Managern werden, die während eines Großteils der Fahrt andere Aufgaben übernehmen. Und sogar ein Einsatz von sogenannten Remote Drivern ist vorstellbar, die aus einem Kontrollraum mehrere Fahrzeuge gleichzeitig in kritischen Verkehrssituationen überwachen und im Bedarfsfall steuern können.

Fazit

Autonomes Fahren wird kommen – nur wann und wie?

E-Mobilität und Güterverkehr der Zukunft stehen vor enormen Herausforderungen, die eine Automatisierung von Transporten erfordern, um die Wertschöpfungskette abzusichern. Der Begriff autonomes Fahren bezeichnet die wichtigste Lösungsstrategie für Transporte auf der Straße: den Einsatz von Technik zu ihrer Automatisierung. In welcher Geschwindigkeit die technologische Entwicklung dafür abgeschlossen wird, lässt sich zum aktuellen Zeitpunkt nur ungefähr einschätzen. Genauso vage lässt sich prognostizieren, welchen rechtlichen Rahmen die Staaten weltweit für den Einsatz autonomer Lkw schaffen werden. Nur eines bleibt derzeit vollkommen klar: Der Beruf des Lkw-Fahrers bietet weiter eine sichere Zukunft.

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