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Digitale Speditionen weisen den Weg zu integrierten Prozessen

Zwischen Disruption und Prozessdigitalisierung verändern neue Player den Markt

Speditionen organisieren den Transport von Gütern für ihre Auftraggeber vom Versandort zum Empfangsort. Das macht sie für die Logistik und die Lieferketten der meisten Unternehmen unverzichtbar. Wie sie ihre Leistungen erbringen, kann sich stark unterscheiden. Sowohl im Hinblick auf die eingesetzten Verkehrsträger als auch auf die Digitalisierung und Automatisierung der Prozesse. Als wegweisend gelten in der Logistikbranche seit einiger Zeit die digitalen Speditionen. Aber ist das zurecht so? Und was genau machen diese anders?

Vor einer Weile haben nahezu sämtliche Fachpublikationen über die Digitalisierung der Logistik den Siegeszug digitaler Speditionen und ihrer Geschäftsmodelle postuliert. Ihnen wurde die Fähigkeit zur Disruption zugeschrieben, also dem Bruch mit bestehenden Dienstleistern und ihren Angeboten. Grund dafür ist die Automatisierung und die damit verbundenen Optimierungen, mit denen sie die Effizienz der Prozesse auf ein neues Level bringen. Und dieses Niveau – so die gängige These damals – könnten die klassischen Spediteure nicht mehr erreichen.
Mittlerweile hat sich der Hype um diese Entwicklung wieder stark abgekühlt. Gleichzeitig sind die Impulse für Speditionsunternehmen und Transportprozesse weiterhin wirksam. Was ist seitdem passiert? Zwei einander diametral gegenüberstehende Pole mit gleichwertigen Kompetenzen haben sich aufeinander zu bewegt: die digitalen Speditionen als Startups mit ihrem Faible für integrierte Abläufe und die „klassischen“ Logistikdienstleister mit ihrer Prozesskompetenz. Was sie seitdem geschaffen haben, ist ein Mittelweg zwischen ihren beiden Perspektiven, den man etwas pathetisch auch als die zweite digitale Revolution in der Logistik beschreiben kann.

Definition

Was ist eigentlich eine digitale Spedition?

Wie eingangs beschrieben, bezeichnet der Begriff Spedition Unternehmen, die den Transport von Gütern gewerblich organisieren. Dazu gehört im engsten Sinne die Beförderung der Waren. Welche Aufgaben damit im Einzelnen verbunden sind, unterscheidet sich je nach Auftrag, Fracht, Ziel und darauf abgestimmten Verkehrsträgern mitunter beträchtlich. Auch digitale Speditionen erfüllen diese Definition, sogar dann, wenn sie über keine eigenen Assets für diese Dienstleistungen verfügen. Mit ihrer straffen digitalen Organisation haben sie die Herangehensweise an die Transportlogistik so stark verändert, dass sie zwischenzeitlich über das Potenzial zur Disruption zu verfügen schienen. Deshalb ist es interessant zu betrachten, an welchen Stellen und auf welche Weise sie die bekannten Abläufe verändert haben.
Im Wesentlichen haben sich digitalen Speditionen die gesamte Auftragsbearbeitung einer Spedition vorgenommen und sie konsequent in sämtlichen Bereichen digitalisiert, vom Vertrieb über Planung, Umschlag, Transport und Statuswesen bis hin zur Abrechnung. Immer mit dem Ziel verbunden, eine Information direkt dann zu erfassen, wenn sie entsteht.

Dafür haben die jungen Unternehmen sämtliche Teilbereiche in der IT über Schnittstellen in einem System verknüpft, das auf Information in Echtzeit beruht. Papier als Mittel zur Informationsweitergabe haben sie aus sämtlichen Prozessen eliminiert.

Veränderung

Wie digitale Prozesse die Transportlogistik revolutionieren

Mit dieser radikalen Digitalisierung der Strukturen haben die Newcomer etwas ermöglicht, das zuvor ausgeschlossen schien: die Automatisierung von Arbeitsabläufen entlang der kompletten Lieferkette. Dabei profitierte das Management der digitalen Speditionen von einem Vorteil, den durchweg alle Startups haben: Mit ihrem Neubeginn auf der Grünen Wiese waren sie nicht an bestehende Strukturen gebunden, die dazu neigen, Veränderungen zu verhindern. Ihnen konnte also die Revolution ohne Zerstörung gelingen. So haben sie anschließend rasch die Potenziale aufgezeigt, die mit integrierten Prozessen beim Transport der Waren verbunden sind. Sie entstehen durch die konsequente Verknüpfung aller Beteiligten entlang der Wertschöpfungskette: Versender, Spediteur, Frachtführer und Empfänger. Über digitale Plattformen erhalten sie bei jeder Statusveränderung eine Information in Echtzeit. Dadurch entsteht Transparenz zum Fortschritt der Prozesse und sogar die Option, ganz neue Services anzubieten. So berechnen sie etwa die voraussichtliche Ankunftszeit (ETA) von Lkw an ihren Zielen bei Ladestellen in der Produktion oder an Lagern sowie bei Empfängern. Möglich wird dies beispielsweise durch mobile Apps in Smartphones, Tablets oder den Bordcomputern der Lkw und den damit verbundenen Telematiksystemen. Die digitalen Speditionen profitierten von diesen Daten für die Organisation ihrer Transporte, während die Kunden ihrer Verlader mit der frühzeitigen Information zur Zustellung ihre Planung verbesserten.

Anpassung

Verbesserungspotenziale erschließen

Mit dem Wissen um die Vorteile einer vernetzen Planung durch konsequente Integration der Supply Chain in modernen IT-Lösungen haben sich die digitalen Speditionen zum Wegweiser in der Logistikbranche entwickelt. Zwischenzeitlich haben viele etablierte Logistiker bewiesen, dass sie über eine enorme Resilienz gegenüber der Herausforderung durch die IT-getriebenen Startups verfügen. Allerdings nur, wenn und indem sie sich selbst digitalisieren und ähnliche Mittel einsetzen wie die Newcomer. Gelingt ihnen diese Veränderung, kommen die Vorteile hinzu, die sie sich über Jahre erworben haben: enge Beziehungen zu Kunden und Frachtführern, stark ausdifferenzierte etablierte Prozesse sowie ihre Umschlaganlagen. Diesen materiellen und sozialen Assets haben die smarten IT-Lösungen der Startups nicht überall genug entgegenzusetzen für eine Disruption. In Teilbereichen wie bei den Ladungsverkehren, die ohne Umschlag auskommen, profitieren sie allerdings enorm von ihrer effizienten Organisation und der umfassenden Information aus den mobilen Apps der Fahrer – bis hin zur Übermittlung des Zustellbelegs (POD) in Echtzeit.

Fazit

Digitale Speditionen wirken als Beschleuniger Datenintegration

„Keine App, kein Geschäft!“ Das hat Professor Michael ten Hompel vom Fraunhofer Institut für Materialfluss und Logistik in Dortmund für die Logistik prognostiziert. Digitale Speditionen haben den dahinterliegenden Gedanken früh aufgegriffen und sämtliche Bereiche ihrer Dienstleistungen entlang der Lieferkette in IT-Systemen und Plattformen integriert. Damit sind sie zum Trendsetter für die Branche geworden und haben Digitalisierungsdruck erzeugt. Mit Erfolg! Deshalb haben sich einige von ihnen inzwischen dafür entschieden, anstelle von Transporten lieber Softwarelösungen für die Beförderung von Gütern anzubieten und nicht mehr als Spedition zu agieren. Und ihre traditionellen Pendants haben mit digitalen Prozessen zu einer neuen hohen Effizienz gefunden.

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