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Gefahrguttransporte sicher steuern

Wie mobile Apps dabei helfen, zum Beispiel die Abfahrtskontrolle reibungslos und digital durchzuführen

Gefahrgutexperten weisen gerne darauf hin, dass die Verantwortlichen für Gefahrguttransporte sich stets mit einem Bein im Gefängnis befinden. Zu brisant ist ihre Aufgabe, während gleichzeitig die Sicherheitsanforderungen kaum komplexer sein könnten. Logistikdienstleister, die diese Aufgabe übernehmen, müssen im Tagesgeschäft also zahlreiche Herausforderungen bestehen.

Safety first – Sicherheit zuerst: In kaum einem Bereich gilt dieser Anspruch so sehr wie beim Transport von Gefahrgut. Zu Recht. Denn wie schwer diese Aufgabe ist, zeigen die umfangreichen Vorschriften, die für angemessenen Schutz sorgen. Diese Transporte zu steuern, ist deshalb besonders anspruchsvoll. Sie müssen unter anderem speziell gekennzeichnet und umfassend dokumentiert werden. Vor Fahrtantritt erfordern sie eine sorgfältige Vorbereitung, dürfen nur von eigens geschulten Mitarbeitern ausgeführt werden und die beteiligten Unternehmen müssen eigens einen Gefahrgutbeauftragten benennen. Denn im Vergleich mit Standardtransporten unterliegen sie deutlich mehr und schärferen Bestimmungen. Für Transporte auf der Straße gilt der Accord Européen sur le transport des marchandises dangereuses par route, kurz ADR. Als europaweit verbindliches Abkommen regelt er unter anderem die Klassifizierung der Güter, Verpackung der Artikel, Kennzeichnung der Packstücke sowie die Dokumentation der Transportschritte. Die Vorschriften sollen einen sicheren Umgang mit den Stoffen garantieren und die Risiken bei der Handhabung der Gefahrgüter so weit wie möglich verringern. Ihre rechtliche Verbindlichkeit in Deutschland regeln das Gefahrgutbeförderungsgesetz (GGBefG) sowie die Verordnung über die innerstaatliche und grenzüberschreitende Beförderung gefährlicher Güter auf der Straße, mit Eisenbahnen und auf Binnengewässern – kurz: Gefahrgutverordnung Straße, Eisenbahn und Binnenschifffahrt (GGVSEB).

Definition

Was ist Gefahrgut?

Mit dem Begriff Gefahrgut werden Stoffe, Gegenstände oder Gemische bezeichnet, von denen bei der Beförderung durch ihre chemischen oder physikalischen Eigenschaften eine Gefahr für die Gesundheit, die Sicherheit oder das Leben von Menschen und Tieren oder die Unversehrtheit der Natur ausgeht. In diesem Zusammenhang sind flüssige, gasförmige oder feste Stoffe gemeint, die giftig, ätzend, oxidierend oder entzündbar sind. Aufgrund dieser Eigenschaften werden sie in die folgenden Gefahrgutklassen eingestuft:

  • X – Berührung mit Wasser unbedingt vermeiden
  • Klasse 1 – explosive Stoffe
  • Klasse 2 – gasförmige Stoffe
  • Klasse 3 – entzündliche flüssige Stoffe
  • Klasse 4 – entzündliche feste Stoffe
  • Klasse 5 – oxidierende Stoffe oder organische Peroxide
  • Klasse 6 – giftige Stoffe
  • Klasse 7 – radioaktive Stoffe
  • Klasse 8 – ätzende Stoffe
  • Klasse 9 – verschiedene gefährliche Stoffe

Um sie transportieren zu dürfen, muss der Fahrer neben seinem Führerschein über eine gültige ADR-Lizenz verfügen. Darüber hinaus gelten laut Gefahrgutvorschriften auch an das Fahrzeug besondere Anforderungen, die mit der ADR-Zulassung bestätigt werden. Vorgeschrieben ist eine zusätzliche Ausstattung mit Erste-Hilfe-Ausrüstung, ABC-qualifiziertem Feuerlöscher mit Pulver, Unterlegkeil, einer Handleuchte ohne metallische Oberfläche sowie Warnzeichen, Warntafeln und einer Warnblinkleuchte. Abhängig von der transportierten Gefahrgutklasse können außerdem zusätzlich ein Besen, eine Schaufel, eine Kanalisationsabdeckung sowie eine persönliche Schutzausrüstung mit Atemschutz und Augenschutz vorgeschrieben sein. Diese Punkte sind bei jedem Abfahrtscheck zusätzlich zu überprüfen. Zudem muss der Fahrer außerhalb des Fahrzeugs jederzeit eine Warnweste tragen.

Steuerung

Organisatorische Vorgaben für den Transport von Gefahrgut

Für einen sicheren Transport der potenziell gefährlichen Frachten bestehen umfassende Kennzeichnungspflichten. Das Fahrzeug benötigt eine gut sichtbar angebrachte orangefarbene Warntafel, auf der die Gefahrgutklasse und Gefahrgutnummer verzeichnet sind, sowie die vorgeschriebenen visuellen Zeichen. Darüber hinaus müssen die Güter mit Aufklebern und Bezettelung versehen sein, die auf ihren Inhalt hinweisen. Zusätzlich zu diesen optischen Zeichen gelten auch für die Begleitpapiere strengere Bestimmungen: Bei jedem Transport muss der Fahrer eine schriftliche Weisung mit Maßnahmen bei Notfällen und Unfällen mitführen, die in einer von ihm beherrschten Sprache ausgestellt ist. Hinzu kommen das ADR-Beförderungspapier, die Sicherheitsdatenblätter der transportierten Gefahrstoffe sowie ein CMR-Frachtbrief, in dem die aus Mengen und Stoffklasse errechneten Gefahrgutpunkte eingetragen sind. Dabei muss die ADR-Gefahrguterklärung folgende Angaben enthalten:

  • UN-Nummern der transportierten Stoffe inklusive der vorangestellten Buchstaben
  • offizielle Bezeichnung des Gefahrguts
  • Stoffklasse
  • Verpackungsgruppe
  • Anzahl und Beschreibung der Versandstücke
  • Menge des Gefahrguts
  • Name und Anschrift des Versenders
  • Name und Anschrift des Empfängers

Diese Dokumente müssen in Deutsch, Englisch oder Französisch ausgestellt werden sowie zusätzlich der Sprache des Versandlandes.

Dokumentation

Prüfpflichten und erfüllte Verantwortung nachweisen

In Anbetracht der umfangreichen Vorschriften für den Transport von Gefahrgut spielt die Dokumentation der einzelnen Arbeitsschritte eine besondere Rolle. Schließlich müssen neben Auftraggeber und Versender auch die jeweils Zuständigen der Befüller, Beförderer und Entlader nachweisen, dass sie ihrer Verantwortung gerecht geworden sind. Dazu dienen mehrere Checklisten, unterzeichnete Begleitdokumente sowie Fotos, unter anderem von der Ladungssicherung. Wenn Logistikdienstleister diese Verpflichtungen effizient erfüllen wollen, empfiehlt sich der Einsatz mobiler Apps. Diese können sämtliche benötigten Dokumente aufnehmen und darstellen, die eingesetzten Fahrer anleiten, einen neuen Prozessstatus aufnehmen und in Echtzeit übertragen sowie nicht zuletzt Nachweisfotos des jeweiligen Auftrags unmittelbar in die digitale Akte übernehmen. Die mobile Software zeigt zudem alle Unterlagen automatisch in der Sprache des Nutzers an und kann Lkw-Fahrer während ihrer Tour über einen individuellen Workflow gezielt mit auftragsbezogenen Informationen anleiten. Dazu gehören insbesondere Hinweise zum sicheren Umgang mit den transportierten Stoffen sowie Beschreibungen der jeweiligen Ladestellen und spezieller örtlicher Gegebenheiten.

Fazit

Mobile Apps machen den Transport von Gefahrgut sicherer und effizienter

Noch mehr als andere Logistikaufgaben stellt der Transport von Gefahrgut hohe Anforderungen an die präzise Ausführung der einzelnen Arbeitsschritte. Regulatorische Vorgaben sollen eine hohe Prozessqualität sicherstellen. Optimal unterstützt werden sie von mobilen Apps, die relevante Informationen Schritt für Schritt gezielt ausspielen können. Diese erledigen zudem die erforderliche Dokumentation besonders effizient. Mit Abschluss jeder einzelnen Aufgabe erfassen sie einen neuen Status, den sie revisionssicher aufnehmen und archivieren. Zudem speichern sie Fotos einer abgeschlossenen Ladungssicherung direkt im jeweiligen Auftrag. So verbessern die mobilen Lösungen nicht nur die Sicherheit der Prozesse, sie beschleunigen zudem die Auftragssteuerung und Dokumentation.

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